2017 09 05 friwi1 klDie Geschichte der Stolberger Familie Witte ist bester Romanstoff. Sie erzählt von Träumen, die zu Realität werden, von Ängsten, die am Ende ganze Lebenswerke ruinieren und von einer unverhofften Wende, die das Happy End bringt, Sie erzählt von Schweiß und Tränen ebenso wie von Erfolgshunger, Hartnäckigkeit, von Enttäuschungen und Freude, von Hinterhältigkeit und Genugtuung. Bei Wittes findet sich das alles in einem Zeitraffer von nicht einmal 100 Jahren. Gebannt höre ich Nadja Witte zu, die eigentlich ganz andere Pläne hatte, als die Familientradition als Konditorin fortzuführen. Als Nadja vor der Berufsentscheidung steht, ist das Familienunternehmen längst ein VEB und nichts, dem sie ihr Leben widmen will. Also studiert Nadja Witte Biologie und schlägt einen ganz anderen Weg ein als der Urgroßvater Friedrich-Wilhelm Witte (1868-1938). Denn mit ihm hatte alles begonnen...

2017 08 mansfeld burgmodell klSchon die Einfahrt auf den Mansfelder Schlosshof ist auf einem Motorrad ein besonderes Erlebnis. Nach der kurvenreichen Auffahrt von der Stadt auf den Berg tuckert man durch eine enge Zufahrt vorbei an Remise und Wächterstube direkt auf das Haupthaus zu. Der erste Blick fällt auf das im Jahr 2000 liebevoll sanierte Bornstedtschen Palais. Das Schloss hat eine lange Geschichte, die vermutlich noch nicht zu Ende geschrieben ist.

Alles begann mit den Mansfelder Grafen, die 1060 erstmals in einer Urkunde erwähnt werden. Man geht davon aus, dass schon damals eine Burg auf dem Schlossberg stand.
Nachdem 1199 im Mansfelder Land Kupfererz entdeckt wird, blüht in der Region Bergbau und Hüttenwesen auf. Das macht die Grafen zu schwerreichen Leuten. 1229 verstirbt der letzte Mansfelder Graf (Burkhardt III) ohne männlichen Nachkommen. Die Grafschaft geht an den Mann seiner ältesten Tochter Sophie, Burchardt von Querfurt, der den Titel Graf und Herr zu Mansfeld annimmt. Es entsteht ein neues Mansfelder Wappen und um 1260 wird Mansfeld Stammsitz des Grafengeschlechts. Nach einem heftigen Familienstreit kommt es 1501 zur Erbteilung der Mansfelder Grafen. In Folge entstehen die drei Schlösser Vorderort, Mittelort, Hinterort.

2017 07 07 spengler museum1 klGleich mit zwei Superlativen kann das Spengler-Museum Sangerhausen punkten: Es ist das erste zu DDR-Zeiten neu gebaute Museum und es hat Deutschlands einziges Gesamtskelett eines Steppenmammuts zu bieten. Und beide Besonderheiten haben unmittelbar miteinander zu tun. Denn Anfang der 1950er Jahren fürchtete Sangerhausen, dass der wertvollste Schatz der Stadt nach Berlin abtransportiert wurde. Um das zu verhindern, ließ die Stadt in aller Eile einen Museumsneubau errichten, in dem das Mammut gezeigt werden konnte. Der Plan ging auf – das Mammut steht noch heute dort.

Ja, Sangerhausen und das Mammut. Seit der schon zu seinen Lebzeiten stadtbekannte Heimatforscher Gustav Adolf Spengler (1869-1961) im Jahr 1930 das Mammut in einer Kiesgrube bei Edersleben fand und drei Jahre lang Stück für Stück ausgrub, es präparierte und in seinem Privathaus mehr recht als schlecht ausstellte, ist die Stadt mammutverrückt. Mit der Eröffnung des Spengler-Museums ist das Mammut stolzes Wahrzeichen der Stadt.

Burg Querfurt - Im BurghofZweifellos: Burg Querfurt ist eine der größten Touristen-Attraktionen Sachsen-Anhalts. Die Superlative reihen sich nahtlos aneinander: Älteste, größte und besterhaltene Burg an der Straße der Romanik. Die 880/899 erstmals im Hersfelder Zehntverzeichnis erwähnte Burg hat drei imposante Türme (Marterturm, Dicker Heinrich und Pariser Turm), zwei Ringmauern und extrem starke Befestigungsanlagen. Dies war Garant dafür, dass die Burg nie erobert wurde; nicht einmal während der heftigen und langen Belagerungen und Beschießungen im Dreißigjährigen Krieg. Allerdings wurde sie – friedlich – an die Schweden übergeben und konnte so ihre mittelalterliche Substanz bewahren.

2017 06 chemiemuseum drehrad klBei einem Arbeitsbesuch Mitte Juni in ihrem Bundestagswahlkreis (Mansfelder Land/Teile des Saalekreises) erfuhr Katrin Budde, dass es bereits in den 1960er Jahren in der Chemieregion Mitteldeutschland sehr intensive Bemühungen um ein Chemiemuseum gab. Prof. Klaus Krug erinnert sich: „Es lag sogar schon ein Raumkonzept für das Schloss Merseburg vor.“ Dass aber erst die Stilllegung und Demontage großer Teile der mitteldeutschen chemischen Industrie zwischen 1990 und 1994 die Chance für ein Deutsches Chemie-Museum bot, ist eine Ironie der Geschichte.“ Doch tatsächlich bot der Rückbau die Möglichkeit, Ausrüstungen und Anlagen aus den Kombinaten Leuna, Buna und Bitterfeld zu erwerben und für das Museum bereitzuhalten. Die Merseburger Professoren Klaus Krug und Hans Joachim Hörig griffen zu, gründeten 1993 den Förderverein „Sachzeugen der chemischen Industrie e.V.“ (SCI) und versuchten an Geschichte zu retten, was zu retten war.